Seit 2018 ermöglicht das Schweizer Energiegesetz den ZEV. Mehrere Parteien nutzen gemeinsam den Solarstrom einer Anlage – auch über Grundstücksgrenzen hinweg.
Was ist ein ZEV?
Ein rechtlicher Zusammenschluss mehrerer Stromverbraucher für gemeinsame Solarstromnutzung. Die Teilnehmer teilen sich den Strom und benötigen nur einen gemeinsamen Netzanschluss. Besonders attraktiv für Mehrfamilienhäuser und benachbarte Liegenschaften.
Vorteile
- Höherer Eigenverbrauch: 50-80% statt 25-35%
- Günstigerer Strom für Mieter: Interner Tarif unter Netztarif
- Wertsteigerung der Liegenschaft
- Grössere Anlagen möglich
Rechtliche Grundlagen
Das Energiegesetz (EnG) und die Energieverordnung (EnV) bilden die Basis. Mindestanforderung: PV-Leistung von 10% der Anschlussleistung. Professionelle Messinfrastruktur erforderlich.
ZEV im Mehrfamilienhaus
Der Eigentümer installiert die Anlage und bietet Mietern günstigen Solarstrom an. Mieter können nicht zum Beitritt gezwungen werden, nehmen aber meist gerne teil.
Quartierlösungen
ZEV können auch über Grundstücksgrenzen gebildet werden. Mehrere Gebäude nutzen gemeinsam eine grosse Anlage. Grösstes Potenzial für hohe Eigenverbrauchsquoten.
Abrechnung
Software-Lösungen automatisieren die Abrechnung. Verwaltungskosten: CHF 50 bis 100 pro Teilnehmer und Jahr.
Fazit
Der ZEV macht Solarenergie für mehr Menschen zugänglich. Gemeinsam profitieren alle von günstigem Solarstrom.
Jetzt Ihr Solarpotenzial entdecken
Berechnen Sie kostenlos, wie viel Solarstrom Ihr Dach produzieren kann.
Jetzt berechnen →Planung und Installation
Der Weg zur eigenen Solaranlage beginnt mit einer professionellen Dachanalyse. Dabei werden Ausrichtung, Neigung, Verschattung und Statik geprüft. Süd-, Südost- und Südwestdächer mit 15–35° Neigung sind ideal. Aber auch Ost-West-Anlagen sind wirtschaftlich sinnvoll und liefern eine gleichmässigere Stromproduktion über den Tag. Die Montage dauert typischerweise 2–3 Tage für ein Einfamilienhaus. Der Installateur kümmert sich um die Baubewilligung, den Netzanschluss und die Anmeldung bei Pronovo für die Einmalvergütung. Nach der Inbetriebnahme können Sie Ihre Stromproduktion per App überwachen und Ihren Eigenverbrauch optimieren. Ein jährlicher Check durch den Fachmann sichert die langfristige Leistung.
Technologie und Modultypen
Moderne Solarmodule erreichen Wirkungsgrade von 20–22 % und sind deutlich leistungsfähiger als frühere Generationen. Die gängigsten Typen sind monokristalline Module – sie bieten die beste Flächeneffizienz und eignen sich ideal für Schweizer Dächer mit begrenztem Platz. Ganzschwarze Module (Full Black) sind besonders beliebt, da sie ästhetisch ansprechend sind und sich harmonisch ins Dachbild fügen. Bifaziale Module nutzen zusätzlich das reflektierte Licht der Rückseite und liefern bis zu 10 % Mehrertrag. Die Module sind auf mindestens 25 Jahre Leistung garantiert und verlieren pro Jahr nur etwa 0,3–0,5 % ihrer Kapazität. Die Wechselrichter – das Herzstück jeder Anlage – wandeln den Gleichstrom in nutzbaren Wechselstrom um.
Solarstrom und Elektromobilität
Die Kombination von Solaranlage und Elektroauto ist besonders attraktiv. Ein E-Auto verbraucht rund 15–20 kWh pro 100 km – bei 15’000 km Jähresfahrleistung sind das etwa 2’500 kWh. Mit einer 10-kWp-Anlage produzieren Sie in der Schweiz jährlich rund 10’000 kWh – mehr als genug für Haushalt und Auto. Wer sein E-Auto tagsüber zu Hause laden kann, nutzt den Solarstrom direkt und spart die teuren öffentlichen Ladetarife. Eine smarte Wallbox mit Solarstrom-Optimierung lädt das Auto bevorzugt dann, wenn die Sonne scheint. So fahren Sie praktisch gratis – und CO₂-neutral. Die Investition in eine Wallbox liegt bei CHF 1’500–3’000 inklusive Installation.
Batteriespeicher – lohnt sich das?
Wirtschaftlichkeit und Amortisation
ZEV-Gründung und Vertragsgestaltung
Die Gründung eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) erfordert in der Schweiz einen schriftlichen Vertrag zwischen allen Teilnehmern. Dieser regelt die Kostenverteilung, den internen Stromtarif, die Messung und die Rechte und Pflichten der Mitglieder. Der VESE (Verband unabhängiger Energieerzeuger) bietet Musterverträge und Berechnungstools an. Der interne Stromtarif darf den Referenzstrompreis des lokalen Versorgers nicht übersteigen – typischerweise werden 80–90 % des Netzstrompreises vereinbart. Für die Abrechnung ist ein intelligentes Messsystem erforderlich: Smart Meter messen den Verbrauch jeder Einheit im 15-Minuten-Takt. Die Kosten für die Messinfrastruktur liegen bei CHF 500–1’500 pro Teilnehmer. Der Netzbetreiber muss über die ZEV-Gründung informiert werden und gibt den Betrieb frei. Die Abrechnung kann über spezialisierte Dienstleister wie Smart Energy Link oder Ormera erfolgen, die alle Flüsse automatisch verrechnen.
ZEV in Mehrfamilienhäusern und Stockwerkeigentum
In Mehrfamilienhäusern ist die ZEV besonders attraktiv, da der Eigenverbrauch durch die verschiedenen Nutzungsprofile der Bewohner deutlich höher ausfällt als bei einem Einfamilienhaus. Ein Mehrfamilienhaus mit 8–12 Wohnungen erreicht Eigenverbrauchsquoten von 50–70 % ohne Speicher. Bei Stockwerkeigentum muss die ZEV-Gründung von der Eigentümerversammlung mit qualifiziertem Mehr beschlossen werden. Mieter müssen dem Beitritt zustimmen, können aber nicht gezwungen werden. Die Investitionskosten werden über die Nebenkosten oder einen separaten Stromvertrag auf die Teilnehmer umgelegt. Im Kanton Zürich sind ZEV-Projekte besonders verbreitet – über 2’000 Mehrfamilienhäuser nutzen dieses Modell bereits. Verwaltungen schätzen die ZEV als Wertsteigerung der Liegenschaft: Wohnungen mit Solarstrom-Anschluss sind auf dem Schweizer Mietmarkt zunehmend gefragt und erzielen höhere Mieten von CHF 50–100 pro Monat.